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Botanische
Sammlungen der TU Dresden Auch 2012 wird es wieder eine Kamelienblüte voller Überschwang der Formen und Farben in den Glashäusern der Botanischen Sammlungen der TU Dresden in Zuschendorf geben. Auf 1500 qm Schauglasfläche können eine Vielzahl historischer Sorten, v.a. des 19. Jahrhunderts (Sächsisch-Seidelsche Kameliensammlung) bewundert werden. Die Hauptblüte ist Ende März zu erwarten. Die nun schon IX. Deutsche Blütenschau, in der etwa tausend Einzelblüten aus allen Sammlungen Deutschlands in besonderen Gefäßen präsentiert werden, wird wieder von einem besonderen Thema begleitet: „Kamelien in der europäischen Literatur“. Dazu werden lebendige Szenen gestaltet. Im Festsaal treffen wir den Geheimrat Goethe im Gespräch mit seinem Freund, dem Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar, eine Kamelienblüte untersuchend. Das Vestibül verwandelt sich in Bulgakows kameliengeschmückte Hölle, wo gerade Margarita einfliegt. Im Salon sitzt Honoré de Balzac und schreibt soeben die Stelle seines Werkes „Die Frau von dreißig Jahren“ nieder, in der die Kinder der Tochter des Marquis fremdartige Schlösser aus Juwelen und Perlenhalsbändern erbauen und zwischen Kamelien sich kleine gezähmte exotische Vögel schaukeln. Im Herrenzimmer liegt Rainer Maria Rilkes fiebernder junger Held aus seinen Werk „Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“. Seine Mutter legt die kühlenden Kamelien aus ihrem Ballschmuck auf sein Bett. Im Luisenzimmer treffen wir auf Theodor Fontanes „Effi Briest“, die vom Apotheker Gieshübler Kamelien für den Silvesterball erhält. Schließlich das Kaminzimmer. Es ist das Reich von Alexandre Dumas' „Die Kameliendame“. Bulgakows Margarita wird sogar zweimal schwebend präsent sein. Der Bildhauer Ralf Zickermann erarbeitet in der anhaltenden Auseinandersetzung mit dem Roman „Der Meister und Margarita“ von Zeit zu Zeit neue Skulpturen aus Elbsandstein. Diese werden wir in unserem größten Glashaus, inmitten über 100 Jahre alter Kamelienpflanzen zeigen. Auch die alljährliche Wahl der „Schönsten Kamelienblüte Deutschlands“ wird es wieder geben. Alles dies erfolgt, wie jedes Jahr, in Zusammenarbeit mit der Mitteldeutschen Kameliengesellschaft. Am Tag vor der Eröffnung reisen Kamelienfreunde durch ganz Deutschland und tragen Kamelienblüten aus den wichtigsten Sammlungen zusammen. 01.03.
– 09.04.2012 – Kamelienschau in den Gewächshäusern 03.03. – 11.03.2012
– IX. Deutsche Kamelienblütenschau im Landschloss Geöffnet
ist die Ausstellung: Der Eintritt kostet 4.- € / ermäßigt 3.- €. Mit freundlichen Grüßen Matthias Riedel www.kamelienschloss.de
Zuerst fällt da den meisten sicher Alexandre Dumas‘ „Kameliendame“, im Roman und Schauspiel mit Namen Marguerite Gautier, ein. Das wirkliche Vorbild aber war Alphonsine Plessis. Keine andere Blume als die Kamelie konnte zu ihr passen, wird sie doch als schlank, mit schwarzem Haar, rosig-weißem Gesicht, lebhaften Emailaugen wie die Japanerinnen und kirschroten Lippen beschrieben. Weiß, rot, japanisch und dazu liebte sie die Kamelien, weil sie keinen Duft verströmten. Dies trifft auf die üblichen Zierformen ja tatsächlich zu. Roman, Schauspiel und auch Verdi’s Oper ‚La Traviata‘ erschienen genau in den Jahren Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Kameliensucht ihrem Höhepunkt zustrebte. Berlese veröffentlichte seine ‚Iconographie de Camelia‘ , das prächtigste, je über Kamelien erschienene Werk und die Dresdner Firma T.J. Seidel hatte bald sagenhafte 1100 Sorten dieser Pflanzengattung im Sortiment. Emsige Leser der Schulliteratur können sich vielleicht noch an „Effi Briest“ von Theodor Fontane erinnern, die von Apotheker Gieshübler Kamelien aus seinem Treibhause erhielt. Ihr Kamelienbukett fand beim Kessiner Ressourcenball zu Silvester ausgiebige Bewunderung. Eines der schönsten Bilder zeichnet Michael Bulgakow in seinem Roman „Der Meister und Margarita“: Voland, auch der Messere genannt, bat die Heldin als seine Ballkönigin zum Frühlingsvollmondball in die Hölle. Dort lesen wir: "...im nächsten Saal gab es keine Säulen. Dafür bestanden die Wände auf der einen Seite aus roten, rosa und milchweißen Rosen und auf der anderen Seite aus japanischen gefüllten Kamelien. Dazwischen sprudelten zischend Fontänen. In drei Bassins schäumte Champagner." Gerade die Russen waren „kamelienverrückt“. Die meisten in Dresden produzierten Pflanzen wurden ins Zarenreich exportiert. Literarische Beispiele finden wir u.a. bei Iwan Turgenjew, Anton Tschechow und Iwan Gontscharow. Kaum ein bekannter Dichter des 19. Und frühen 20. Jahrhunderts ließ die Kamelie unerwähnt: Der weiße Wal Moby Dick in Herman Melville’s Roman ist so weiß wie die Kamelie. In Rainer Maria Rilkes „Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ legt sich dieser die weißen Kamelien aus dem Bukett der Mutter auf die Augen, weil sie so schön kühl waren. Hermann Hesse bewunderte die Kamelien vor seinem Haus im Tessin. In Adalbert Stifters 1853 erschienenen Roman „Der Nachsommer“ wird die uns bis heute streitbare Frage, ob Rose oder Kamelie die Schönere ist, gestellt. Die Lyrikerin der Romantik, Anette von Droste-Hülshoff, beginnt ein Kameliengedicht mit den Zeilen: „Gar weite Wege hast du gemacht, Kamelia staubige Schöne… So läßt sich ein Beispiel zum anderen fügen. Doch geht es um Literatur, wird schnell gefragt: „Was sagt eigentlich Goethe?“ Belegt sind mindestens vier freundschaftliche Begegnungen des Dichterfürsten beim chursächsischen Hofgärtner Johann Heinrich Seidel, die der Erforschung der „Metamorhose der Pflanzen“ dienten. Auch wissen wir aus kurzen Tagebucheintragungen, daß er durchaus am Wirken des Hofgärtner-Sohnes Jacob Friedrich Seidel, des „Kamelienseidel“, Anteil nahm. Vermutlich auf sein Betreiben hin besichtigte Goethes Dienstherr, Großherzog von Sachsen Weimar Carl August, 1827 Seidels Kamelien in Dresden und berichtete dann seinen Weimarer Gärtnern in der Orangerie Belvedere von einem Wald von Kamelien, den er dort gesehen hätte. Aus Belvedere vermeldete im Februar 1818 Carl August an den in Jena weilenden Goethe, dass Kamelien blühen. Anfang April teilt er dem Dichter seine Beobachtung mit, dass auch gefüllte Kamelien Samen tragen. Daraufhin antwortet Goethe sogleich am 3. April des gleichen Jahres:“Es wird von großer Bedeutung seyn, wenn jene Camelia reifen Samen tragen sollte. Ich habe das Innere der sehr schönen Krone genau untersucht,…“ Es ist also mehr das naturwissenschaftliche als das dichterische Interesse, welches den Geheimrat umtreibt. Stoff für eine interessante Ausstellungsszene für unsere Gäste bietet dies allemal.
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